• 31.08.2025 – Millionen versenkt, Kontrolle verweigert, Standards verteidigt

    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Die Gedisa mobilisierte 30 Mio. Euro Zwangsbeiträge, schuf planwirtschaftliche Doppelungen und teure Insellösungen. Doch mit der CardL ...

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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Millionen versenkt, Kontrolle verweigert, Standards verteidigt

 

Wie die Gedisa Zwangsbeiträge in planwirtschaftliche Inseln lenkte, Apothekenlösungen ohne Marktprüfung stapelte und mit CardLink ihr einziges Pfund behauptet

Apotheken-News: Bericht von heute

Apotheker kennen das Prinzip der knappen Ressourcen, doch beim Projekt Gedisa war plötzlich Geld im Überfluss da: 30 Millionen Euro wurden mobilisiert, getragen von Zwangsbeiträgen, ohne dass ein klarer Business-Plan die Richtung vorgab. Die Erwartung, „es werde schon etwas Gescheites entwickelt“, erwies sich als riskanter Optimismus. Heute zeigt die Bilanz ein Bild der Planwirtschaft: 16 Gesellschafter lenken ein Portfolio, das sich aus selbstgebauten und zugekauften Lösungen zusammensetzt, vielfach redundant zu längst vorhandenen Angeboten, ohne Transparenz bei den Nutzerzahlen und ohne spürbaren Markterfolg. Apothekenportal.de, apomondo, Retax-Tools oder Arztterminsysteme – alles teuer entwickelt oder eingekauft, alles längst von Wettbewerbern etabliert. Doch es gibt auch eine Ausnahme: Mit der CardLink-Middleware gelang der Gedisa ein Coup, der den Softwarehäusern erstmals Grenzen setzte und Standards für Schnittstellen etablierte. Hier liegt der eigentliche Wert: Standards sichern, Kräfte bündeln, Fragmentierung verhindern. Für alles andere reicht der Markt längst aus.

 

 

Es ist eine Geschichte, die exemplarisch erzählt, wie gutgläubig die Apothekerschaft bisweilen in eigene Konstruktionen investiert: Vor dreieinhalb Jahren wurde die Gedisa gegründet, flankiert von der Hoffnung, endlich eine digitale Klammer zu schaffen, die die fragmentierte Apothekenwelt zusammenführt. 30 Millionen Euro an Budget wurden quasi im Handstreich mobilisiert, gespeist aus Pflichtbeiträgen, nicht aus freiwilligem Engagement. Was fehlte, war das Fundament jeder unternehmerischen Initiative – ein belastbarer Business-Plan, eine durchkalkulierte Marktstrategie, die den Return on Invest plausibel gemacht hätte. Der Vorstand des Apothekerverbands Westfalen-Lippe war damals der einzige, der sich skeptisch zeigte und sich konsequenterweise einer Beteiligung entzog. Heute wirkt diese Entscheidung geradezu visionär.

Denn nüchtern betrachtet ist die Bilanz ernüchternd. Wer sich die Produktpalette der Gedisa genauer ansieht, stößt auf planwirtschaftliche Muster: Lösungen werden nicht durch Marktdruck oder echten Wettbewerb gestrafft, sondern entstehen im Schutzraum einer Gesellschafterrunde, die aus 16 Akteuren besteht, ohne dass der Markt als Korrektiv wirkt. Herausgekommen ist ein Patchwork aus selbstgestrickten Tools und zugekauften Bausteinen, vielfach redundante Kopien von längst vorhandenen Angeboten. Ein DMS-System, Arzttermin-Software, Retax-Portale – alles gibt es längst, meist erprobt, etabliert, besser gepflegt. Doch die Gedisa produziert parallel, als müsse das Rad immer wieder neu erfunden werden.

Noch gravierender ist das Fehlen transparenter Erfolgsparameter. Harte Nutzungszahlen? Fehlanzeige. Man beruft sich auf „wettbewerbstaktische Gründe“, wenn es darum geht, konkrete Reichweiten oder aktive Anwender zu nennen. Diese Geheimniskrämerei steht in frappierendem Gegensatz zur Herkunft der eingesetzten Gelder – Zwangsbeiträge, deren Verwendung gegenüber den Mitgliedern begründungspflichtig wäre. Dass man zugleich Millionenbeträge in den Zukauf von apomondo oder in den Betrieb des apothekenportal.de investierte, macht die Skepsis nur größer. Fremdes Geld gibt sich eben leichter aus als eigenes, besonders wenn keine transparente Rechenschaftspflicht besteht.

All dies weckt die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zum „freien Markt“. Während private Anbieter gezwungen sind, ihre Softwarelösungen schlank, kundenorientiert und marktfähig zu entwickeln, kann die Gedisa Produkte ohne Marktrückkopplung platzieren. Das Ergebnis ist ein Wildwuchs, der am Ende eher zur Verzettelung beiträgt, als dass er die dringend benötigte digitale Schlagkraft der Apotheken stärkt. Apotheken, die ohnehin durch Bürokratie, Lieferengpässe und Vergütungsprobleme belastet sind, benötigen keine halbgaren Insellösungen, sondern robuste Systeme, die praxiserprobt sind und Mehrwert schaffen.

Doch wäre es falsch, die Gedisa auf ein reines Milliardengrab herabzuwürdigen. Mit der CardLink-Middleware hat man tatsächlich einen Coup gelandet. Erstmals trat die Apothekenseite den großen Softwarehäusern auf Augenhöhe gegenüber, definierte Schnittstellen und Standards, die nicht mehr allein aus dem Bauch der IT-Dienstleister heraus diktiert werden konnten. Hier liegt der wahre Hebel der Gedisa: Standards zu setzen, wo Fragmentierung droht, und Mandate zu bündeln, die die Zersplitterung der Apothekenlandschaft überbrücken können. Gerade in Zeiten des E-Rezepts, der Telematik und des Drucks von Versandhändlern ist diese Rolle strategisch entscheidend.

Der eigentliche Schluss liegt damit offen auf der Hand: Die Gedisa muss ihr Geschäftsmodell neu justieren. Statt das ohnehin begrenzte Budget in Endkundengeschäfte und redundante Portale zu stecken, wäre es zielführender, die Mittel auf die Entwicklung und Durchsetzung verbindlicher Standards zu konzentrieren. Der Markt hat längst bewiesen, dass er patientenorientierte B2C-Lösungen schneller und effizienter bereitstellt. Den eigentlichen Mehrwert der Gedisa bildet nicht der Versuch, Apothekenportale oder Termin-Tools zu betreiben, sondern die Fähigkeit, als regulatorisches und technisches Gegengewicht Standards zu sichern, bevor die Branche endgültig in proprietären Silos verhakt.

Das bedeutet, dass Apothekenorganisationen, die hinter der Gedisa stehen, sich zu einer nüchternen Bilanz durchringen müssen. Nicht nur die 30 Millionen Euro an Zwangsgebühren, sondern auch das Vertrauen der Mitglieder steht auf dem Spiel. Nur wenn es gelingt, aus einer planwirtschaftlich geprägten Parallelwelt in eine echte Standardsetzungs-Infrastruktur zu wechseln, kann die Gedisa einen dauerhaften Platz im Ökosystem der Apotheken behaupten. Andernfalls wird die Geschichte der Gedisa zu einem Lehrstück darüber, wie man gutes Geld schlechten Strukturen hinterherwirft.

Magisch zugespitzt bleibt damit ein Satz als Essenz: Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Und sie lautet: Nur dort, wo Standards die Kräfte bündeln, wird aus Zwangsbeiträgen Zukunft, aus Fremdmitteln Wert – alles andere verdampft wie Schall und Rauch.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Sie erzählt von der Versuchung, mit fremdem Geld Inseln zu bauen, statt Brücken zu schlagen. In der Gedisa bündelt sich die ganze Ambivalenz der Apothekerschaft: Misstrauen gegenüber Marktkräften, Vertrauen in geschlossene Strukturen – und die leise Hoffnung, dass wenigstens ein Standard Zukunft sichert. Die Deutung lautet: Wer Millionen planwirtschaftlich verstreut, findet nur dann Rechtfertigung, wenn er am Ende Standards setzt, die bleiben, wenn alles andere vergeht.

 

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