• 01.04.2025 – Apotheken-Nachrichten von heute - Update: Sicherheitsrisiken, politische Wechsel und Handelskonflikte

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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten von heute - Update: Sicherheitsrisiken, politische Wechsel und Handelskonflikte

 

Einbrüche und Vandalismus nehmen zu, Spekulationen um neue Gesundheitsministerin und globale Handelsspannungen beeinflussen die Pharmabranche

In einer Zeit, in der die Sicherheit von Apotheken durch eine Zunahme von Einbrüchen und Vandalismus gefährdet ist, ringt die deutsche Gesundheitspolitik mit strukturellen Herausforderungen und politischen Unsicherheiten. Während der Deutsche Apothekertag an formeller Bedeutung verliert und die ABDA einen neuen Weg der Unterhaltung einschlägt, wird das Bundesgesundheitsministerium möglicherweise bald eine neue Führung unter Petra Köpping sehen. Die rechtlichen Grenzen der Zusammenarbeit zwischen Apothekern und Ärzten sowie die Herausforderungen durch die Teillegalisierung von Cannabis bleiben kritische Punkte. Währenddessen drücken globale Handelsspannungen auf die medizinische Versorgung und die Gesundheitsbranche sieht sich gezwungen, auf protektionistische Maßnahmen zu reagieren. Neue Führungsrollen in Gesundheitspolitik und Strategiewechsel, wie die mögliche Übernahme des Handelssegments von Haemato, signalisieren signifikante Veränderungen in der Pharmabranche. All dies geschieht vor dem Hintergrund einer Studie, die aufzeigt, wie die Modifikation von Risikofaktoren die Lebenserwartung signifikant beeinflussen könnte, während eine andere die Belastung deutscher Arbeitnehmer durch Arbeitsstress hervorhebt.

 

Sicherheit für Apotheken: Strategien gegen Einbruch und Vandalismus

In den letzten Jahren hat die Zahl der Einbrüche und Vandalismusschäden in Apotheken in Deutschland erheblich zugenommen. Diese Entwicklung stellt nicht nur ein finanzielles Risiko für die betroffenen Apotheken dar, sondern gefährdet auch die Versorgungssicherheit der Bevölkerung. Apotheken sind zunehmend Ziel krimineller Aktivitäten, was die Dringlichkeit effektiver Schutzmaßnahmen unterstreicht.

Ein wesentlicher Schritt zur Prävention ist die bauliche Sicherung der Apothekengebäude. Sicherheitsexperten empfehlen die Installation von einbruchhemmenden Türen und Fenstern, die mindestens der Widerstandsklasse 3 entsprechen. Diese Maßnahmen sollen Einbrechern den Zugang erschweren und sie im besten Fall abschrecken. Ergänzend dazu sollten Alarmanlagen installiert werden, die bei unbefugtem Zutritt sofortige Warnsignale an die Polizei senden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Einsatz moderner Überwachungstechnologie. Videokameras sollten an strategisch wichtigen Punkten angebracht werden, um potenzielle Täter zu identifizieren und die Sicherheit im und um das Gebäude zu erhöhen. Die Präsenz von Kameras wirkt oft bereits abschreckend auf Kriminelle.

Neben technischen Maßnahmen ist auch das Management des Zugangs zu den Apothekenräumen von großer Bedeutung. Elektronische Schließsysteme und personalisierte Zugangscodes ermöglichen eine präzise Kontrolle darüber, wer Zutritt zu den sensiblen Bereichen der Apotheke hat. Regelmäßige Schulungen des Personals im Umgang mit Sicherheitsmaßnahmen und Notfallprotokollen tragen zusätzlich zur Sicherheit bei.

Ein weiterer wichtiger Schutzmechanismus ist die Zusammenarbeit mit Sicherheitsdiensten und der Polizei. Sicherheitsdienste können durch regelmäßige Kontrollgänge und Überwachungsdienste während der Nachtstunden für zusätzliche Sicherheit sorgen. Die Polizei sollte über gefährdete Apotheken informiert sein und gezielte Patrouillen in diesen Gebieten durchführen.

Schließlich ist der Abschluss einer umfassenden Versicherungspolice unabdingbar. Diese sollte sowohl Einbruchs- als auch Vandalismusschäden abdecken und regelmäßig überprüft werden, um sicherzustellen, dass alle potenziellen Risiken abgedeckt sind. Apothekeninhaber sollten sich mit ihrem Versicherungsberater zusammensetzen, um den bestmöglichen Schutz für ihr Unternehmen zu gewährleisten.

Trotz aller Präventionsmaßnahmen bleibt das Risiko von Einbrüchen und Vandalismusschäden bestehen. Daher ist es umso wichtiger, dass Apotheken proaktiv handeln und alle verfügbaren Schutzmaßnahmen ergreifen, um ihre Vermögenswerte und die Versorgungssicherheit der Bevölkerung zu schützen.

Die Zunahme von Einbrüchen und Vandalismusschäden in Apotheken ist ein alarmierendes Zeichen für eine wachsende Unsicherheit, die weit über die finanziellen Verluste hinausgeht. Apotheken sind eine essenzielle Säule unserer Gesundheitsversorgung. Ihre Sicherheit zu gewährleisten, ist daher nicht nur eine Aufgabe der Inhaber, sondern eine gesellschaftliche Verantwortung.

Es ist unerlässlich, dass die Polizei und Sicherheitsbehörden verstärkte Maßnahmen ergreifen, um diesen kriminellen Aktivitäten Einhalt zu gebieten. Die Präsenz von Polizeipatrouillen in gefährdeten Gebieten muss erhöht und die Zusammenarbeit mit Sicherheitsdiensten intensiviert werden. Nur durch eine koordinierte Anstrengung können wir die Täter abschrecken und die Sicherheit unserer Apotheken gewährleisten.

Darüber hinaus müssen auch die Gemeinschaften ihren Teil dazu beitragen. Nachbarschaftsinitiativen und eine wachsame Zivilgesellschaft können einen erheblichen Beitrag zur Prävention leisten. Ein aufmerksames und engagiertes Umfeld schafft eine abschreckende Atmosphäre für potenzielle Kriminelle.

Letztlich darf jedoch die Verantwortung nicht allein auf die Apothekeninhaber abgewälzt werden. Einbruch- und Vandalismusschäden sind ein gesellschaftliches Problem, das uns alle betrifft. Der Schutz der Apotheken ist der Schutz unserer gesundheitlichen Versorgung. Daher ist es dringend erforderlich, dass alle Akteure – von den Sicherheitsbehörden über die Versicherungen bis hin zur Zivilgesellschaft – gemeinsam daran arbeiten, ein sicheres Umfeld für Apotheken zu schaffen. Nur so können wir sicherstellen, dass diese wichtigen Einrichtungen ihre unverzichtbare Rolle in unserer Gesellschaft weiterhin erfüllen können.

 

Zwischen Hoffnung und Realität: Die GroKo und die anhaltende Krise der deutschen Apotheken

Seit zwei Jahrzehnten prägt die Große Koalition (GroKo) die Gesundheitspolitik Deutschlands, ohne dass eine signifikante Trendwende im Apothekenwesen erkennbar ist. Das Phänomen des "Apothekensterbens" hat sich in dieser Zeit nicht nur verfestigt, sondern ist zu einem symbolträchtigen Zeichen für die Krise im Gesundheitssektor geworden. Trotz verschiedener politischer Initiativen und Versprechungen bleibt die Zahl der Schließungen hoch, und die verbleibenden Apotheken stehen vor immer größeren wirtschaftlichen und regulatorischen Herausforderungen.

Die Ursachen dieser Entwicklung sind vielschichtig. Neben dem wachsenden Druck durch Online-Konkurrenz und großen Pharmaketten kämpfen viele Apotheken mit einer rückläufigen Vergütung und steigenden Betriebskosten. Die GroKo hat zwar Maßnahmen wie Finanzhilfen, steuerliche Anreize und Förderungen für digitale Innovationen eingeführt, doch die Effekte dieser Politiken sind oft begrenzt. Kritiker bemängeln, dass die Maßnahmen nicht ausreichen, um die tieferen strukturellen Probleme zu adressieren, wie etwa die unzureichende Integration der Apotheken in die Gesundheitsversorgung und die oft bürokratischen Hindernisse, die innovative Ansätze im Keim ersticken.

Die Bemühungen der GroKo, das Apothekensterben zu stoppen, wirken angesichts der realen Entwicklungen oft wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Politik muss erkennen, dass es nicht nur um finanzielle Unterstützung oder regulatorische Anpassungen geht. Vielmehr bedarf es einer grundlegenden Neuausrichtung der Rolle der Apotheken im Gesundheitssystem. Apotheken könnten weit mehr sein als nur Verkaufsstellen für Medikamente: Sie könnten zu Zentren der Gesundheitsberatung, Prävention und lokalen Gesundheitsversorgung ausgebaut werden. Dazu sind jedoch tiefgreifende Reformen nötig, die über die bisherigen Ansätze hinausgehen.

Für Apothekenbetreiber bedeutet dies, dass sie sich nicht allein auf politische Lösungen verlassen dürfen. Sie müssen selbst aktiver werden, indem sie Dienstleistungen diversifizieren, in die Ausbildung ihres Personals investieren und die Möglichkeiten der Digitalisierung voll ausschöpfen, um effizienter und kundenorientierter zu arbeiten. Gleichzeitig ist es entscheidend, dass sie politisch aktiv bleiben und sich in die Gestaltung der Gesundheitspolitik einbringen, um ihre Interessen und die ihrer Kunden wirksam zu vertreten. Nur durch eine Kombination aus politischem Engagement und unternehmerischer Innovation können Apotheken eine nachhaltige Zukunft sichern.

 

Spekulationen um Bundesgesundheitsministerium – Petra Köpping als mögliche Nachfolgerin Lauterbachs im Gespräch

In Berlin laufen derzeit die Verhandlungen über eine mögliche Regierungsbildung zwischen Union und SPD auf Hochtouren. Während die parteipolitischen Arbeitsgruppen an den inhaltlichen Grundlagen für einen Koalitionsvertrag arbeiten, sorgt ein Personalgerücht für Aufmerksamkeit: Die sächsische Sozialministerin Petra Köpping (SPD) wird als potenzielle Nachfolgerin von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach gehandelt. Hintergrund sind Überlegungen, das Ressort personell und strukturell neu aufzustellen.

Noch am Montag war über ein internes Papier spekuliert worden, dem zufolge der CDU-Politiker Tino Sorge aus Sachsen-Anhalt das Amt übernehmen könnte. Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion gilt parteiintern als ausgewiesener Fachpolitiker mit Ambitionen auf ein Ministeramt. Seine Nominierung würde den ostdeutschen Proporz im Kabinett stärken, was auch innerhalb der CDU als wichtiges Argument gesehen wird.

Am Dienstag kam dann ein weiterer Name ins Spiel: Petra Köpping, SPD-Mitglied und seit vielen Jahren in der sächsischen Landesregierung für Gesundheit und Soziales zuständig. Sie verfügt über umfangreiche Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung und gilt in gesundheits- und sozialpolitischen Fragen als profilierte Stimme innerhalb der SPD. Köpping war maßgeblich an der Vorbereitung des Koalitionsvertrags beteiligt und gehörte der Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege an.

Besondere Aufmerksamkeit erregte sie im vergangenen Jahr, als sie sich deutlich gegen den Vorschlag aus Lauterbachs Ministerium stellte, Apotheken unter bestimmten Bedingungen auch ohne Präsenz eines approbierten Apothekers zuzulassen. Köpping hatte in Aussicht gestellt, gegen eine solche Regelung notfalls den Vermittlungsausschuss des Bundesrates anzurufen. Die Regelung wurde schließlich aus dem Gesetzesentwurf gestrichen.

Ihre Nennung als mögliche Ministerin dürfte nicht zuletzt dem Versuch geschuldet sein, Geschlechterparität und Regionalproporz innerhalb der künftigen Bundesregierung zu wahren. Eine ostdeutsche SPD-Politikerin mit Regierungserfahrung könnte dabei für die Sozialdemokraten strategisch von Vorteil sein. Gleichzeitig würde die SPD mit Köpping eine Ministerin ins Kabinett holen, die bislang nicht mit der Arbeit der Ampel-Koalition in Verbindung gebracht wird – ein potenzieller Vorteil in Zeiten zunehmender Unzufriedenheit mit der Bundesregierung.

Ob es tatsächlich zu einem Wechsel im Bundesgesundheitsministerium kommt, bleibt unklar. Karl Lauterbach hat mehrfach betont, das Amt behalten zu wollen. Die endgültige Entscheidung hängt jedoch von den laufenden Koalitionsverhandlungen und deren Ergebnissen ab. Die künftige Besetzung des Ministeriums dürfte nicht nur innerhalb der Politik, sondern auch in der Gesundheitsbranche aufmerksam verfolgt werden. Eine Entscheidung könnte frühestens nach Abschluss der Verhandlungen fallen.

Der Name Petra Köpping in Verbindung mit dem Bundesgesundheitsministerium signalisiert eine mögliche Neuorientierung in der Gesundheitspolitik. Anders als Karl Lauterbach steht Köpping für einen stärker föderal geprägten Politikansatz und hat wiederholt auf die Bedeutung der Länder bei gesundheitspolitischen Entscheidungen hingewiesen. Ihre kritische Haltung gegenüber zentralen Reformvorschlägen aus dem Bundesministerium zeigt, dass sie bereit ist, Konflikte auszutragen – auch innerhalb der eigenen Partei.

Gleichzeitig ist die Personaldebatte ein Spiegel größerer politischer Fragen: Wer repräsentiert welche Region? Wie wird Geschlechtergerechtigkeit im Kabinett umgesetzt? Und vor allem: Wer kann das Vertrauen einer verunsicherten Öffentlichkeit in die Gesundheitsversorgung wieder stärken? Noch ist nichts entschieden, doch der Diskurs über die Personalie Köpping zeigt, wie umkämpft und symbolträchtig dieses Ministeramt inzwischen geworden ist.

 

Apothekertag im Wandel: ABDA entmachtet Delegierte und setzt auf Unterhaltung

Mit der Änderung der Satzung der ABDA zu Beginn des Jahres hat der Deutsche Apothekertag (DAT) seine politische Verbindlichkeit eingebüßt. Die dort gefassten Beschlüsse gelten künftig nicht mehr als bindend, sondern müssen lediglich in den Gremien „sachgerecht berücksichtigt“ werden. Damit verliert das zentrale Forum der deutschen Apothekerschaft an formeller Bedeutung. Um der Veranstaltung dennoch Relevanz zu verleihen, präsentierte die ABDA am 1. April ein neues Konzept, das vor allem auf unterhaltsame Elemente setzt.

Statt klassischer Plenardebatten soll künftig verstärkt auf Rededuelle mit gezielt ausgewählten Vertretern konträrer Meinungen gesetzt werden. Die Zahl der Redner wird begrenzt, das Format soll schneller und publikumswirksamer sein. Die Entscheidung über die überzeugendste Position liegt dann beim Plenum, das per Abstimmung den Sieger des Duells bestimmt. Politische Willensbildung bleibt somit formal Teil des Formats, verliert jedoch ihren verpflichtenden Charakter.

Zudem wird das musikalische Rahmenprogramm ausgebaut. Funktionsträger der ABDA, der Kammern und Verbände sollen künftig mit persönlichen Auftrittsjingels zu ihren Redebeiträgen eingeführt werden. Erste Vorschläge kursieren bereits, darunter augenzwinkernde Titel passend zu Alter oder öffentlichem Auftreten der Beteiligten. Die musikalische Untermalung soll die Veranstaltung auflockern, folgt jedoch festen Regeln: Vorschläge müssen wie bisher Anträge fristgerecht eingereicht werden. Änderungen sind nur unter Zustimmung von mindestens zehn Delegierten zulässig.

Ein weiteres Element des neuen Konzepts ist die Reform der Delegiertenwahl. In Reaktion auf wiederholte Kritik an der mangelnden Legitimation der Teilnehmer sollen in den Landesorganisationen künftig Ausscheidungswettkämpfe stattfinden. Die genaue Ausgestaltung ist noch offen, im Raum stehen Formate im Stil von Spielshows oder Fachwettbewerben. Ziel sei es, die Basis stärker einzubinden und die Auswahlprozesse transparenter zu gestalten.

Ergänzt wird das Konzept durch spielerische Formate wie das im Vorjahr erprobte DAT-Bingo. Delegierte können während der Veranstaltung Begriffe auf vorbereiteten Karten markieren und auf Gewinne hoffen. Geplant sind Preise wie ein Wellness-Wochenende oder Sachprämien. Die ABDA verspricht sich davon mehr Aufmerksamkeit und Beteiligung bei gleichzeitiger Entschärfung des formellen Charakters.

Mit der Umgestaltung des Apothekertags reagiert die Standesvertretung auf den Bedeutungsverlust der Veranstaltung durch die eigene Satzungsänderung. Kritiker sprechen bereits von einem schleichenden Bedeutungsverlust des Berufsstandes in der gesundheitspolitischen Diskussion. Die ABDA hingegen betont, dass der Apothekertag auch in neuer Form ein Ort der Meinungsbildung und der internen Auseinandersetzung bleibe.

Der Umbau des Deutschen Apothekertags markiert einen tiefgreifenden Einschnitt in der Selbstwahrnehmung des Apothekerstandes. Was einst als höchstes Beschlussgremium galt, droht zur Inszenierungsbühne zu verkommen. Die neue Satzung hebt faktisch die politische Verbindlichkeit auf – ein Schritt, der das demokratische Fundament innerhalb der Standesvertretung infrage stellt. Statt auf Stärkung der innerverbandlichen Beteiligung setzt man nun auf Showelemente und Gamification.

Zwar mag der Versuch, das Format unterhaltsamer zu gestalten, angesichts sinkender Aufmerksamkeit berechtigt erscheinen. Doch das neue Konzept wirft grundlegende Fragen auf: Soll der politische Berufsstand in Zeiten tiefgreifender Reformdebatten wirklich auf Ironie, Musikeinlagen und Rededuelle setzen? Der Apothekerberuf steht vor gewaltigen Herausforderungen. Es braucht klare Positionen, verbindliche Beschlüsse und eine ernsthafte Interessenvertretung – keine Spielshow mit Applausometer. Die Entkernung des DAT ist keine Modernisierung, sondern ein gefährliches Signal der Selbstaufgabe.

 

Zwischen Regulierungslücke und Kommerzialisierung – Wie die Teillegalisierung von Cannabis Apotheken unter Druck setzt

Ein Jahr nach der Teillegalisierung von Genusscannabis zeigt sich ein ambivalentes Bild: Die Bundesregierung hatte mit dem Konsumcannabisgesetz (KCanG) ursprünglich das Ziel verfolgt, den Schwarzmarkt einzudämmen, den Gesundheitsschutz zu stärken und insbesondere jüngere Konsumenten aus illegalen Versorgungsstrukturen zu holen. In der Realität ist die Zielerreichung bislang ausgeblieben. Zwar wurden zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen Cannabisdelikten eingestellt oder gar nicht mehr aufgenommen – ein Rückgang von über 50 Prozent allein in Bayern dokumentiert diesen Effekt –, doch das illegale Angebot floriert weiterhin. Die Hauptursache: Es fehlen flächendeckend legale Bezugsquellen.

Die geplanten Anbauvereinigungen, sogenannte Cannabis-Clubs, sollten ursprünglich ein zentraler Baustein im neuen Versorgungskonzept sein. Doch bürokratische Auflagen, komplizierte Genehmigungsverfahren und ein Mangel an administrativer Unterstützung durch die Länder haben den Aufbau ausgebremst. Bis heute verfügen weniger als 150 solcher Vereinigungen über eine Zulassung – bei über 10.000 Kommunen bundesweit ein verschwindend geringer Anteil. Auch der Eigenanbau bleibt angesichts praktischer und rechtlicher Hürden für viele Konsumenten unattraktiv oder schlicht unmöglich.

In dieses regulatorische Vakuum stößt ein Sektor vor, der vor allem von wirtschaftlichem Interesse getrieben ist: der Markt für Medizinalcannabis. Dabei nutzen insbesondere Online-Plattformen die Lücken im System aus. Sie bieten digitale Rezeptvermittlungen an, häufig mit standardisierten Fragebögen und kurzen Videosprechstunden. Kritiker werfen diesen Portalen vor, eine Art „legalen Umweg“ für Freizeitkonsumenten zu schaffen, die nicht warten wollen, bis Cannabis über Clubs oder Modellprojekte verfügbar wird.

Besonders brisant: Apotheken werden durch diese Entwicklung zu den Hauptprofiteuren des Systems – auch wenn viele Inhaber das offen nicht zugeben. Der Umsatz mit Medizinalcannabis, insbesondere bei Selbstzahlern, hat sich in den vergangenen Monaten vervielfacht. Apotheken berichten von täglichen Anlieferungen im Kilogramm-Bereich, einzelne Standorte erzielen monatliche Umsätze in Millionenhöhe allein mit Cannabisblüten. Dabei handelt es sich nicht um klassische medizinische Indikationen wie chronische Schmerzen oder Spastik – vielmehr dominieren unspezifische Diagnosen wie Schlafstörungen, Stress oder diffuse Angstzustände.

Die Apothekerschaft befindet sich damit in einer heiklen Lage: Einerseits gelten sie als gesetzlich autorisierte und verantwortungsvolle Abgabestellen für verschreibungspflichtige Medikamente. Andererseits machen sich viele Apotheken durch Kooperationen mit Rezeptportalen wirtschaftlich abhängig von einem Geschäftsmodell, das unter dem Deckmantel medizinischer Versorgung de facto einen Freizeitkonsum ermöglicht. Der damit verbundene Imageverlust – in einer Zeit, in der Apothekerinnen und Apotheker ohnehin unter massivem wirtschaftlichem und politischem Druck stehen – wird bislang weitgehend verdrängt.

Juristisch geraten die Rezeptvermittler nun verstärkt ins Visier. Ein Landgericht hat jüngst einem bekannten Portal die bisherige Werbepraxis untersagt – wegen Verstoßes gegen das Heilmittelwerbegesetz und das Werbeverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel. In Reaktion darauf kündigte der Betreiber Änderungen an, die das Geschäftsmodell im Kern jedoch nicht infrage stellen. Die politische Dimension dieses Falls ist brisant: Sollten Gerichte künftig strengere Maßstäbe an telemedizinische Verschreibungen von Betäubungsmitteln anlegen, könnten hunderte Apotheken einen ihrer wichtigsten neuen Umsatzkanäle verlieren.

Parallel dazu wird in mehreren Kommunen versucht, mit wissenschaftlich begleiteten Modellprojekten einen dritten Weg zu etablieren: den legalen Verkauf von Cannabis ohne Rezept. Ob über spezialisierte Fachgeschäfte oder über Apotheken – bislang sind rund 20 Regionen mit konkreten Anträgen aktiv. Doch der politische Rückenwind für diese Initiativen droht zu schwinden. Im Zuge der laufenden Koalitionsgespräche auf Bundesebene deutet sich eine konservativere Gangart an. CDU-Vertreter haben bereits angekündigt, die Teillegalisierung zurückdrehen zu wollen. Auch die Besetzung zentraler Ministerien – darunter das für die Modellregionen zuständige Landwirtschaftsressort – könnte zur politischen Bremse werden.

Für viele in der Branche steht daher wirtschaftlich viel auf dem Spiel. Anbieter und Plattformbetreiber kündigen medienwirksame Gegenkampagnen an, sollten politische Kräfte das Rad zurückdrehen wollen. Apotheken hingegen geraten zunehmend zwischen die Fronten: Sie sind gleichzeitig heilberuflich verpflichtet, wirtschaftlich unter Druck und juristisch angreifbar.

Die Teillegalisierung von Cannabis hat eine Entwicklung angestoßen, die symptomatisch für viele Reformprojekte der vergangenen Jahre ist: gut gemeint, aber schlecht gemacht. Der politische Wille, durch Entkriminalisierung und Regulierung den Schwarzmarkt zu verdrängen, ist in der Realität an der mangelnden Umsetzung gescheitert. Dass es nicht gelingt, legale Strukturen flächendeckend verfügbar zu machen, öffnet kommerziellen Akteuren Tür und Tor – und zwingt Apotheken in eine Rolle, die viele von ihnen mit ihrem Berufsethos kaum vereinbaren können.

Apotheken, die seit Jahren um Anerkennung, faire Honorare und gesellschaftliche Wertschätzung kämpfen, laufen Gefahr, als verlängerte Werkbank eines kommerzialisierten Cannabis-Booms wahrgenommen zu werden. Die aktuelle Praxis, über Online-Portale Rezepte massenhaft an Selbstzahler zu vermitteln, entwertet das ärztliche Urteil und degradiert die Apotheke zur bloßen Ausgabestelle – ohne Verantwortung für die medizinische Indikation. Dass einige Apotheken aus wirtschaftlicher Not heraus bereit sind, sich in solche Strukturen einzubinden, zeigt die dramatische Schieflage im Apothekenwesen.

Doch statt moralisch über diese Betriebe zu urteilen, ist der Gesetzgeber in der Pflicht. Wer den Zugang zu Cannabis politisch erlaubt, muss auch die Rahmenbedingungen so gestalten, dass keine Grauzonen entstehen, in denen der medizinische Anspruch nur Fassade ist. Telemedizin darf kein Einfallstor für missbrauchsanfällige Rezeptfluten sein. Genauso wenig darf die Apotheke zur Verkaufsstelle eines quasi-legalen Freizeitprodukts werden, ohne dass Beratung, Verantwortung und Kontrolle gewährleistet sind.

Ein Rollback der Reform, wie ihn konservative Kreise fordern, würde jedoch ebenfalls am Ziel vorbeigehen. Ein Verbot ohne Alternative stärkt einzig den Schwarzmarkt und kriminalisiert wieder jene, die der Gesetzgeber eigentlich schützen wollte. Die Lösung liegt nicht im Rückwärtsgang, sondern in der konsequenten und praxisnahen Umsetzung des gesetzlichen Rahmens – mit einer klaren Trennung von medizinischer Versorgung und Freizeitkonsum. Apotheken verdienen in diesem Prozess Klarheit, Rechtssicherheit und eine Rolle, die ihrem heilberuflichen Anspruch gerecht wird. Alles andere ist Flickwerk auf dem Rücken eines Berufsstandes, der längst überlastet ist.

 

Grenzen der Kooperation: Die juristischen Fallstricke von Absprachen zwischen Apothekern und Ärzten

Das Gesundheitswesen profitiert von der engen Zusammenarbeit seiner Akteure, insbesondere wenn es um die unmittelbare Patientenversorgung geht. Doch trotz des offensichtlichen Nutzens für Patienten, gibt es rechtliche Schranken, die das Verhältnis zwischen Apothekern und Ärzten regulieren. Ein zentrales Element dieser Regulierung ist das Abspracheverbot, welches Kooperationen zwischen diesen beiden Berufsgruppen stark limitiert. Dr. Morton Douglas, ein erfahrener Rechtsanwalt im Gesundheitsrecht, hat eine Reihe von Gerichtsentscheidungen analysiert, die das Spannungsfeld zwischen Kooperation und Wettbewerbsrecht verdeutlichen.

In einem kürzlich geführten Interview erläuterte Dr. Douglas, dass viele der juristischen Entscheidungen in diesem Bereich für Praktiker häufig schwer nachvollziehbar sind. „Es gibt Fälle, in denen scheinbar harmlose Vereinbarungen zwischen Apotheken und Ärzten als wettbewerbswidrig eingestuft wurden“, erklärt Douglas. Diese Urteile basieren oft auf dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen, das Absprachen zur Preisgestaltung oder Marktverteilung unterbindet. Der juristische Rahmen dafür ist allerdings alles andere als eindeutig, was zu einer erheblichen Rechtsunsicherheit führt.

Beispielsweise wurde eine Vereinbarung, in der eine Apotheke Ärzten geringfügige Vergütungen für die Weiterleitung von Patienten angeboten hatte, als unzulässig bewertet. Solche Entscheidungen stellen eine Herausforderung für die Praxis dar, denn die Grenzen zwischen erlaubter Zusammenarbeit und unzulässiger Absprache sind oft fließend. „Es ist essenziell, dass Gesundheitsdienstleister die rechtlichen Vorschriften genau verstehen und bei Kooperationen entsprechend vorsichtig agieren“, so Dr. Douglas.

Die Konsequenzen für Verstöße gegen das Abspracheverbot können gravierend sein: von Geldbußen über den Verlust der Approbation bis hin zu strafrechtlichen Konsequenzen. Diese strikten Sanktionen sollen den freien Wettbewerb sichern und die Interessen der Patienten schützen. Gleichzeitig aber warnen Experten wie Dr. Douglas vor einer Überregulierung, die innovative Kooperationsmodelle im Keim ersticken könnte. Die aktuelle Rechtslage verlangt von den Akteuren im Gesundheitswesen ein hohes Maß an rechtlicher Bewusstheit und vorsichtiger Navigation im komplexen Geflecht der Gesundheitsgesetzgebung.

Das Abspracheverbot ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits schützt es den Wettbewerb und damit indirekt die Patienten, andererseits hemmt es potenziell innovative Kooperationsformen zwischen Apothekern und Ärzten, die zur Effizienzsteigerung und Verbesserung der Patientenversorgung beitragen könnten. Die rechtliche Grauzone, in der sich viele Gesundheitsdienstleister bewegen, bedarf einer klareren Abgrenzung durch die Rechtsprechung. Ohne diese Klarheit riskieren wir, dass notwendige und sinnvolle Entwicklungen im Gesundheitswesen aus Angst vor rechtlichen Folgen nicht realisiert werden. Es ist daher entscheidend, dass zukünftige Gesetzgebungen und gerichtliche Entscheidungen eine Balance zwischen Wettbewerbsschutz und kooperativer Innovation finden.

 

Cherry erhält CardLink-Zulassung – Neue Lösung „SmartLink“ startet im Apothekenmarkt

Das Unternehmen Cherry, bislang vor allem für seine Kartenterminals im deutschen Gesundheitswesen bekannt, hat die offizielle Zulassung für eine eigene CardLink-Lösung erhalten. Wie am 31. März bekannt wurde, zählt Cherry nun zu den acht Anbietern, die von der Gematik als „eHealth-CardLink-Anbieter“ anerkannt sind. Mit dem Produkt „SmartLink“ bringt das Unternehmen eine digitale Lösung auf den Markt, die insbesondere Apotheken adressiert und sich in ein bereits etabliertes technisches Umfeld einfügt.

Die CardLink-Technologie ermöglicht die Einlösung elektronischer Rezepte, ohne dass die elektronische Gesundheitskarte in ein Terminal eingesteckt werden muss. Die Authentifizierung erfolgt stattdessen über eine App, die mit dem Kartenterminal kommuniziert. Die Nutzung setzt eine Apotheken-App voraus. Cherry kooperiert hierbei mit der App „Apo 360“ des Anbieters DoctorBox. Über diese Anwendung sollen nicht nur E-Rezepte eingelöst, sondern auch Medikationspläne erstellt, Erinnerungen zur Einnahme gesendet und Folgerezepte angefordert werden können. Auch Anbindungen im Pflegebereich sind vorgesehen, um die Kommunikation zwischen Apotheken und Pflegeeinrichtungen zu erleichtern.

Laut Unternehmensangaben basiert SmartLink auf einem nutzungsbasierten Softwaremodell, das auf der bestehenden Cherry-Hardware aufsetzt. Mit über 300.000 im Gesundheitswesen eingesetzten Kartenterminals verspricht das Unternehmen eine reibungslose technische Integration. Über die konkreten Kosten der neuen Lösung macht Cherry bislang jedoch keine Angaben. Es wird lediglich ein „attraktives Preismodell“ angekündigt, das jedoch nicht näher erläutert wird.

Cherry hebt in der Mitteilung seine Marktneutralität und den Fokus auf Interoperabilität hervor. In einem Markt, der zunehmend von vertikal integrierten Plattformlösungen geprägt ist, will sich das Unternehmen mit einer offenen Infrastruktur und modularen Systemarchitektur positionieren. Ziel sei es, eine nachhaltige, digitale Vernetzung im Gesundheitswesen zu fördern – unabhängig von Plattforminteressen.

Neben Cherry gehören unter anderem DocMorris, Shop Apotheke, Gedisa, Akquinet und gesund.de zu den weiteren Anbietern mit CardLink-Zulassung. Mit dem Einstieg von Cherry erweitert sich der Kreis der Anbieter um einen Akteur mit technologischem Hintergrund und eigener Infrastruktur, was den Wettbewerb im Bereich digitaler Rezeptlösungen weiter beleben dürfte.

Mit der Zulassung von SmartLink durch die Gematik verschiebt sich das Kräfteverhältnis im digitalen Gesundheitswesen um eine weitere Nuance. Cherry bringt technologische Erfahrung und eine breite Hardware-Basis in einen Markt ein, der bislang stark von Apothekenplattformen und Online-Versandhändlern dominiert wurde. Dass ein klassischer Terminalhersteller nun eigene digitale Rezeptlösungen anbietet, ist nicht nur ein Zeichen für den Strukturwandel, sondern auch Ausdruck des zunehmenden Drucks, unabhängige Alternativen zu geschlossenen Plattformmodellen zu schaffen.

Die Zurückhaltung bei konkreten Preisangaben lässt jedoch Fragen offen. Für Apotheken, die angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten auf transparente und planbare Kosten angewiesen sind, könnte dies eine Hürde darstellen. Entscheidend wird sein, ob Cherry es schafft, nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich eine tragfähige Lösung zu etablieren – und ob die versprochene Interoperabilität in der Praxis tatsächlich gelebt wird. Denn nur so kann SmartLink mehr sein als eine weitere digitale Option im ohnehin komplexen TI-Umfeld.

 

Globale Spannungen treffen die Gesundheitsbranche: Handelskrieg droht medizinische Versorgung zu beeinträchtigen

Die zunehmenden protektionistischen Maßnahmen der USA unter der Leitung von Präsident Donald Trump haben zu einem eskalierenden Handelskonflikt mit der Europäischen Union geführt. Dieser Konflikt steht nun kurz davor, signifikante Auswirkungen auf die globale Gesundheitsbranche zu haben, einschließlich der Pharmaindustrie und Medizintechnologie. Die USA haben angekündigt, ab dem 3. April hohe Zölle auf alle Autoimporte zu erheben, was als eine aggressive Handelspolitik gesehen wird. Als Reaktion darauf wird erwartet, dass die EU mit eigenen Maßnahmen antworten wird, was zu einem ausgewachsenen Handelskrieg führen könnte.

Die Konsequenzen eines solchen Szenarios sind besonders besorgniserregend für die Gesundheitsbranche. Medizinische Produkte, die wichtige Komponenten wie Stahl und Aluminium enthalten, sind bereits jetzt von US-Zöllen betroffen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass die EU als Vergeltung Zölle auf weitere gesundheitsrelevante Produkte erheben könnte. Diese Produkte umfassen unter anderem Krankenhausbetten, OP-Material und Hilfsmittel zur Kompressionstherapie.

Diese Entwicklungen könnten gravierende Auswirkungen auf die Patientenversorgung auf beiden Seiten des Atlantiks haben. Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) und der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) haben öffentlich ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht. Sie warnen vor den Gefahren, die durch Unterbrechungen in den globalen Lieferketten und die steigenden Kosten für medizinische Produkte entstehen können. Diese könnten nicht nur die Verfügbarkeit medizinischer Versorgung beeinträchtigen, sondern auch zu einer Erhöhung der Gesundheitskosten führen.

Der eskalierende Handelskonflikt zwischen den USA und der EU testet die Resilienz der globalen Gesundheitsbranche. Während protektionistische Wirtschaftspolitiken kurzfristig politische Gewinne versprechen mögen, sind die langfristigen Auswirkungen auf die medizinische Versorgung und die Wirtschaft tiefgreifend und potenziell verheerend. Es ist entscheidend, dass beide Seiten dieses Konflikts die immense Bedeutung der Gesundheitsbranche erkennen und medizinische Produkte von ihren handelspolitischen Auseinandersetzungen ausschließen. Die Gesundheit und das Wohlergehen der Bürger sollten immer über politischen Ambitionen stehen. Ohne eine rasche Rückkehr zu mehr Kooperation und weniger Konfrontation werden die globalen Gesundheitssysteme unweigerlich unter den Folgen dieses Handelskriegs leiden.

 

Phagro schafft neue Schlüsselstelle für Gesundheitspolitik

Der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (Phagro) hat seine politische Kommunikation ausgebaut und erstmals die Position eines Leiters Gesundheitspolitik und Head of Public Affairs geschaffen. Mit dem Sozialwissenschaftler Nico Münch besetzt der Verband diese Funktion ab sofort in der Berliner Geschäftsstelle. Münch war zuvor im Bundestag tätig, unter anderem als Büroleiter des FDP-Abgeordneten Daniel Föst.

Die neue Personalie ist Ausdruck einer strategischen Neuausrichtung des Verbandes, der damit auf die wachsenden politischen und regulatorischen Herausforderungen in der Arzneimittelversorgung reagiert. Ziel sei es, die Interessen des vollversorgenden Großhandels gegenüber Politik und Verwaltung klarer zu vertreten und als verlässlicher Ansprechpartner in gesundheitspolitischen Fragen wahrgenommen zu werden.

Die Phagro-Geschäftsführung betonte, dass die Rolle des Pharmagroßhandels für die Stabilität der Versorgungskette häufig unterschätzt werde. Angesichts aktueller Debatten über Lieferengpässe, Digitalisierung und Reformen im Gesundheitswesen müsse der Großhandel faktenbasiert in politische Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Der Verband wolle künftig mit größerer Klarheit in der politischen Kommunikation auftreten.

Mit der neuen Funktion soll auch das Netzwerk des Verbandes zu politischen Akteuren gestärkt und der Informationsfluss in beide Richtungen verbessert werden. Die Berufung eines erfahrenen politischen Mitarbeiters ist dabei ein Schritt, der den gestiegenen Erwartungen an eine professionelle Interessenvertretung Rechnung trägt.

Der Phagro vertritt bundesweit elf Großhandelsunternehmen, die rund 100 Standorte betreiben und die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln sicherstellen. Mit der neuen Personalentscheidung stellt sich der Verband breiter auf, um die Interessen seiner Mitglieder in einem zunehmend komplexen gesundheitspolitischen Umfeld zu vertreten.

Der Phagro reagiert mit der Schaffung einer politischen Schlüsselstelle auf ein wachsendes Spannungsfeld zwischen Versorgungspflicht und politischen Rahmenbedingungen. Die Herausforderungen in der Arzneimittelversorgung sind zahlreich – von Lieferengpässen über strukturelle Reformen bis hin zu digitaler Transformation. In dieser Gemengelage ist politische Kommunikation keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit.

Dass der Verband erstmals einen dedizierten Experten für Gesundheitspolitik einsetzt, zeigt, dass er die Bedeutung des Dialogs mit der Politik erkannt hat. Doch es genügt nicht, präsent zu sein – es braucht klare Positionen, fundierte Argumente und ein Verständnis für die Mechanismen politischer Entscheidungsfindung. Die Aufgabe von Nico Münch wird es sein, diese Lücke zu schließen.

Die Professionalisierung der politischen Kommunikation ist ein notwendiger Schritt, aber auch ein ambitionierter. Es bleibt abzuwarten, wie wirksam der Verband seine neue Rolle in den gesundheitspolitischen Diskurs einbringen kann. Klar ist: Ohne starke Stimme droht der Großhandel, trotz seiner zentralen Rolle, weiter im Schatten öffentlicher Aufmerksamkeit zu bleiben.

 

Strategiewechsel bei Haemato möglich – Übernahmeangebot für Handelssegment liegt vor

Der Reimporteur Haemato steht vor einem möglichen Verkauf seines Handelssegments. Wie die börsennotierte Haemato Holding mitteilte, liegt ein sogenanntes „Conditional Binding Offer“ für die Tochtergesellschaft Haemato Pharm vor. Dabei handelt es sich um ein bindendes Übernahmeangebot unter Vorbehalt bestimmter Bedingungen. Der potenzielle Käufer wurde bislang nicht genannt. Vorstand und Aufsichtsrat der Holding prüfen das Angebot nach eigenen Angaben derzeit sorgfältig.

Ein Verkauf würde einen bedeutenden Einschnitt für das Unternehmen bedeuten, das sich bislang auf den Handel mit Arzneimitteln in verschiedenen Indikationsbereichen spezialisiert hat. Haemato Pharm ist im Vertrieb von Original- und Reimportarzneimitteln unter anderem in der Onkologie, Neurologie, Rheumatologie, bei HIV und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie im Bereich der Betäubungsmittel aktiv. Laut Unternehmensangaben bestehen direkte Handelsbeziehungen zu rund 7.000 Apotheken in Deutschland.

Das Handelsgeschäft war zudem Ausgangspunkt für frühere Bestrebungen, auch im Bereich der ästhetischen Medizin Fuß zu fassen. So plante Haemato gemeinsam mit einem südkoreanischen Partner die Entwicklung eigener Markenprodukte, unter anderem ein Botulinumtoxin-Präparat. Dieses Projekt wurde jedoch vor zwei Jahren eingestellt.

Die Muttergesellschaft Haemato Holding gehört zu 68 Prozent der M1 Kliniken AG, die unter der Marke „M1 Med Beauty“ Schönheitskliniken im In- und Ausland betreibt. Deren wachstumsstarkes Segment könnte durch einen Verkauf des Pharmageschäfts in den Fokus rücken. M1 Kliniken wiederum befinden sich mehrheitlich im Besitz der börsennotierten MPH Health Care AG. Die Konzernstruktur ist komplex und umfasst unter anderem Beteiligungen am Herstellbetrieb Pharmigon, dem Großhändler Zytotrade sowie der Versandapotheke „Direct Apotheke Venlo“ in den Niederlanden.

Ehemalige pharmazeutische Aktivitäten am Unternehmenssitz in Schönefeld wurden inzwischen eingestellt. Die dortige Apotheke wird nun unter dem Namen Lilienthal-Apotheke in Schulzendorf betrieben.

Ob und unter welchen Bedingungen ein Verkauf zustande kommt, ist offen. Die Entscheidung dürfte maßgeblich die strategische Ausrichtung der Haemato Holding für die kommenden Jahre beeinflussen.

Das mögliche Aus für Haemato Pharm markiert mehr als nur eine wirtschaftliche Transaktion – es steht sinnbildlich für eine strategische Neuausrichtung, wie sie in vielen Konzernen derzeit zu beobachten ist. Der Trend geht weg von komplexen Geschäftsmodellen hin zu klarer Fokussierung auf margenträchtige Segmente. Im Fall von Haemato wäre das die ästhetische Medizin, deren Wachstumspotenzial in den vergangenen Jahren zunehmend in den Mittelpunkt gerückt ist. Der Pharmagroßhandel hingegen steht unter starkem Preisdruck und regulatorischer Kontrolle. Die Entscheidung für oder gegen den Verkauf wird auch ein Signal an den Kapitalmarkt senden: Setzt man künftig konsequent auf Beauty statt auf Gesundheit?

 

Zwischen Belastung und Bewältigung: Strategien gegen den Arbeitsstress

In der modernen Arbeitswelt sind ständige Verfügbarkeit und hoher Leistungsdruck allgegenwärtig. Eine aktuelle Umfrage der KKH Kaufmännische Krankenkasse zeigt, dass 43 Prozent der Arbeitnehmer häufig unter Stress leiden, 15 Prozent davon sogar sehr häufig. Ähnliche Zahlen liefert eine Studie der Pronova BKK aus dem Vorjahr, laut der sich 61 Prozent der Beschäftigten durch ihre Arbeitsbelastung gesundheitlich gefährdet sehen.

Experten wie Dr. Anne Casper, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Freien Universität Berlin, identifizieren mehrere Ursachen für diesen Zustand. Neben dem klassischen Zeitdruck spielen auch soziale Konflikte und technologische Störungen eine wesentliche Rolle. Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat zwar viele Prozesse vereinfacht, gleichzeitig aber auch neue Stressfaktoren geschaffen, wie die Forscherin Julia Lanzl vom Lehrstuhl Digitales Management der Universität Hohenheim erläutert. Digitale Tools führen oft zu einer gefühlten Überwachung und erzwingen eine quasi permanente Erreichbarkeit, die das Stressniveau erheblich steigert.

Chronischer Stress ist nicht nur ein psychologisches Problem; er kann auch schwerwiegende körperliche Erkrankungen nach sich ziehen, darunter Herz-Kreislauf-Probleme und Schlafstörungen. Um dem entgegenzuwirken, sind effektive Stressmanagement-Strategien entscheidend. Diese umfassen unter anderem die Selbstbeobachtung, den Aufbau von Kompetenzen und regelmäßige Erholungsphasen. So empfehlen Experten, stressauslösende Situationen genau zu analysieren und persönliche Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Die Zahlen sind alarmierend und zeigen, dass Stress am Arbeitsplatz mehr als nur ein individuelles Problem ist. Es handelt sich um ein strukturelles Phänomen, das tief in der modernen Arbeitskultur verwurzelt ist. Die Lösung liegt nicht allein in der Verantwortung des Einzelnen, sondern erfordert ein Umdenken auf Unternehmensebene. Flexible Arbeitszeiten, eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur und der Einsatz von Technologie im Sinne der Mitarbeiter könnten wesentlich dazu beitragen, den Arbeitsalltag weniger belastend zu gestalten. Hier ist auch die Politik gefragt, Rahmenbedingungen zu schaffen, die die psychische Gesundheit der Arbeitnehmer schützen und fördern. Letztlich geht es nicht nur darum, den Mitarbeitern zu helfen, Stress besser zu bewältigen, sondern auch darum, Stress präventiv zu vermeiden.

 

Lebensverlängernde Maßnahmen: Die Macht der fünf Risikofaktoren

In Deutschland sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) für ein Drittel aller Todesfälle verantwortlich. Eine aktuelle Studie unter deutscher Leitung, veröffentlicht im "New England Journal of Medicine", zeigt auf, wie die Modifikation von fünf Risikofaktoren die Lebenserwartung erheblich beeinflussen kann. Diese Faktoren umfassen Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, extremes Körpergewicht, Diabetes und Rauchen.

Die internationale Forschungsgruppe, angeführt von Professor Dr. Christina Magnussen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, analysierte Daten von über zwei Millionen Menschen aus 133 Kohorten weltweit. Die Studie verdeutlicht, dass Personen, die mit 50 Jahren frei von diesen Risikofaktoren sind, signifikant länger leben. Frauen ohne diese Risiken leben durchschnittlich 14,5 Jahre länger, Männer 11,8 Jahre.

Betrachtet man die einzelnen Faktoren, zeigt sich insbesondere das Nichtvorhandensein von Diabetes und das Nichtrauchen als lebensverlängernd. Diese Faktoren allein können bis zu 6,4 zusätzliche gesunde Lebensjahre bringen. Die Forschungsergebnisse betonen, wie wichtig die frühzeitige Modifikation dieser Risikofaktoren ist, idealerweise bereits zwischen dem 55. und 60. Lebensjahr.

Trotz der beeindruckenden Daten weist die Studie auch Limitationen auf. Die Ergebnisse basieren auf Beobachtungsdaten, wodurch kausale Schlussfolgerungen eingeschränkt sind. Unbeobachtete Variablen wie Lebensstil oder der Zugang zu medizinischer Versorgung könnten ebenfalls einen Einfluss haben.

Dennoch unterstreicht die Studie die Notwendigkeit globaler, personalisierter Präventionsstrategien. Kardiologen wie Professor Dr. Ulrich Laufs und Professor Dr. Andreas Zeiher bestätigen die Bedeutung der Kontrolle dieser Risikofaktoren. Sie argumentieren, dass selbst im höheren Lebensalter eine Anpassung des Lebensstils noch signifikante Vorteile bringen kann.

Die Ergebnisse der Studie sind ein klares Signal an die Gesundheitspolitik und jeden Einzelnen. Die Prävention und Kontrolle von modifizierbaren Risikofaktoren muss eine höhere Priorität erhalten. In einer Zeit, in der das Gesundheitssystem zunehmend belastet ist, könnte die gezielte Vorsorge nicht nur Leben verlängern, sondern auch die Kosten im Gesundheitswesen signifikant reduzieren. Dieser Ansatz erfordert nicht nur individuelle Anstrengungen, sondern auch strukturelle Unterstützung durch Bildung, politische Maßnahmen und Zugang zu präventiver medizinischer Versorgung. Es ist eine Investition in die Zukunft, die sich in mehr als nur Lebensjahren auszahlen wird.

Von Engin Günder, Fachjournalist

 

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